Kenombia

And on it goes...

Drei Wochenenden mit drei außergewöhnlichen Erfahrungen...

 

Guten Tag Herr Prominski,

sie sind ja wieder in der Heimat angekommen und ich somit allein auf weiter Flur dieses Blogs... Dein Abschlusseintrag ist ja rührend, dich mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zurückblicken zu sehen.
Bei mir geht es ja noch knapp einen Monat weiter. Während sich der Deutschclub etwas zäh nebenherzieht gibt es an den Wochenenden kleine Ausflüge und Erlebnisse.

Vor gut drei Wochen war ich ja für 10 Tage in Diani Beach, ein kilometerlanger, weißer Sandstrand mit optimalen Kitesurfbedingungen. Der Kurzurlaub wurde quasi durchgechillt. Tagsüber habe ich mich sorgfältig vor der Sonne versteckt, um nicht wie 99% der anderen Backpacker im Hostel den Rest des Urlaubs krebsrot glühend sich Aloe Vera auf die Haut zu tropfen. Die Sonne hier ist so unglaublich stark, dass ein absolutes Sonnenverbot von 10-15 Uhr unablässig ist. Deswegen habe ich auch immer nur nachmittags kitegesurft was aber völlig ausgereicht hat. Am Ende des Urlaubs stand ich recht sicher auf dem Bord, sodass ich schon ohne Aufpasser mich über die Meere gleiten lassen konnte. Macht aufjedenfall mega Spass, wobei es wohl bei einer Ausnahme-Luxus-Beschäftigung bleiben wird. Den Rest der Zeit habe ich mich mit den Mitreisenden im Schach, Backgammon, Pool oder Volleyball gemessen.

Das nächste Wochenende, also das Vorletzte, ging es dann in Nairobi endlich mal feiern, in einen der einzigen Technoclubs. Das Problem war nur, dass das nicht das einzige Vorhaben an dem Wochenende war. Wie Rogers mich noch am Abend davor errinnerte, habe ich mich auch noch zum Bergsteigen am Sonntag in Thika, eine Autostunde von Nairobi, verabredet. Nun gut ein entspanntes Wandern nach dem Feiern sollte ja kein Problem sein. So gings stamstagfrüh um 6 Uhr von Embu nach Nairobi um um 11-12 Uhr dort mit Masha, eine Freiwillige in Nairobi, das Elefantenwaisenhaus zu besuchen. Seeeehr sehr süß, aber auch schrecklich, wenn man sieht was die Poacherei mit den Tieren macht. Besonders rührend der kleine Maisha, der durch eine der Fallen mit einem Loch im Rüssel zurückgelassen wurde und es trotzdem noch geschafft hat, damit Wasser einzusaugen!
Anschließend ging es dann zu den Ngong Hills, ein siebenhügliges Monster, von dem man auf der einen Seite auf Nairobi blickt, auf der anderen Seite in das Great-Rift-Valley. Komplett unvorbereitet, haben wir auf dem Weg dorthin mal im Internet recherchiert und ja.. es wird driiiingenst abgeraten da ohne bewaffnete Belgeitung raufzusteigen... Beim Eingang, wo man eine solche Eskorte anheuern kann, wurde uns dann bis zum zweiten Hügel auch ohne grünes Licht gegeben. Mehr hat es auch echt nicht gebraucht, denn das war mit Abstand der windigste Ort, den ich in meinem Leben je gespürt habe. Natürlich waren wir nicht dafür vorbereitet, sodass ich mich entscheiden musste, meine Ohren, den Hals oder meinen Oberkörper mit meinem Pullover zu schützen. Ich hab mich für die Ohren entschieden, Masha für den Hals, trotzdem hat uns auf dem zweiten Hügel der Ausblick genügt und es ging wieder runter. Auf dem Weg bergab haben wir dann noch Enoch und Lina getroffen, die uns spontan zur Technoparty am Abend begleiten haben. Ein Schulbus hat uns dann sogar die einstündige Fahrt in die Stadt mitgenommen, was noch Verpflegung und ein Tanzunterricht inklusive hatte.
Nach einem Verschnaufs- und Verpflegungsstopp in ner Bar ging es dann um ca. 11 Uhr in den Club.. Ein auffällig großer Anteil an Wazungu, was die Unpopularität des Technos hier in Kenia nochmal unterstrich. Der Abend war OKAY aber nicht mehr, da ein auffällig großer Anteil der Wazungu sich die Nase gepudert haben, was eine unglaublich verko(r)kste Stimmung zur Folge hatte. So musste ich gegen späteren Abend dann tatsächlich auch mal dazwischen gehen, als ein empörter Mann nach einminütiger Tirade nicht aufhören wollte den Barkeeper so lautstark anzuschreien, weil sein Hemdärmel in einer Pfütze auf dem Tresen landete, dass es quasi der ganze Club gehört hatte. Leider gabs hier aber nicht die gleiche familiäre Stimmung, die das Technofeiern in Deutschland so angenehm macht, sodass ich nicht mit bestem Gefühl die Party verlassen habe. Das musste ich dann um 5 Uhr machen, da ich mich ja am Sonntag um 7 Uhr in Thika mit Rogers und einer kleinen Gruppe aus Embu zum Besteigen des Mt. Kilimambogo verabredet habe.
Mit einer Stunde Matatuschlaf im Gepäck bin ich dann in Thika angekommen. Wie sich bald herausstellte war es doch keine kleine Gruppe aus Embu, sondern es war eine Veranstaltung die keniaweit Jugendliche angezogen hatte, sodass wir am Ende mit ca. 200 Kenianern am Fuße des Berges standen. Die Aufmerksamkeit die mir als einzigem Mzungu in der Meute zu teil wurde, war selbst für mich ein neues Kaliber und kam zum denkbar ungünstigstem Zeitpunkt. Das eh schon so fotoscheue Ich und dazunoch das schlafentzogene noch fotoscheuere Ich waren dem kommendem zweistündigen Marsch (10km bergauf!) mit einer Flut and Selfies ausgesetzt die mit der aktuell hier herrschenden Heuschreckenplage verglichen werden kann! Trotzdem war dieses Afterparty-Workout sehr erfüllend und ich konnte sogar nochmal an der Spitze des Berges meine Berühmtheit nutzen, um den Kenianern die deutsche Recycling-Mülltrennkultur nahezubringen. Das Müllhandling ist hier in Kenia leider so unkontrolliert, dass es keiner der zweihundert Anwesenden auch für irgendwie nötig gehalten hat, seine Trinkflasche oder Lolliverpackung oder sonst was nicht in den Nationalpark zu schmeißen. Viel gebracht hat das zwar nicht, denn nach lautem Jubeln wurde auf dem Rückweg alles beim Alten gelassen...

Nebenbei wurde ich in Embu schon für tot erklärt. Da es wie gesagt nicht soo viele Wazungu hier gibt, und eben noch weniger Deutsche, hat die Meldung, ein Deutscher sei hier in Embu bei einem Bodabodaunfall tötlich verunglückt, so schnell die Runde gemacht, aber wie das bei solchen Stille-Post-Übertragungen nunmal ist, wurden auch viel Falschinformationen eingestreut. So wurde von einem Pastor bestätigt, dass der Verunglückte so aussieht wie ich auf einem Foto. Wenn man bedenkt, dass der Verunglückte 50 Jahre alt war, weiß ich nicht wie er zu dieser Verwechslung kam... Da ich aber zu der Zeit am Samstag mein Handy aus Akkuspargründen ausgeschaltet hatte, hat sich schon eine Gruppe an Mitstudenten um das Krankenhaus versammelt, bevor nach Stunden des Bangens endlich einer zum Toten durchgelassen wurde und bestätigen konnte das ich es NICHT war...PUH...

Dieses Wochenende war eigentlich mal Ruhe angesagt, die dann aber durch einen seeehr misteriösen, ungebetenen Gast gestört wurde. Am Samstagabend hat Kelvin hier in meinem Garten in der Hängematte übernachtet, da wir am morgen um 8 Uhr zusammen den Boxkampf livestreamen wollten. Das haben wir auch getan, wonach wir uns dann ein üppiges Frühstück gönnen wollten. Nur das mein Portmonnaie plötzlich komplett auseleert war (alle Karten und Co. waren noch drin, aber das Bargeld bis auf den letzten Penny raus). Mit einem sehr unguten Gefühl, haben wir die Investigation ein wenig verschoben. Nach einer weitern Stunde hat mein Laptop dann angezeigt, dass er bitte Strom will...nur das plötzlich auch das Ladekabel weg war. Nach sehr langem Suchen ist es auch nicht wieder aufgetaucht, und da wir haargenau wussten, dass wir es kurz vor dem Schlafengehen noch mühsam an die Steckdose rangefriemelt haben, waren wir uns auch sicher, dass wir es nicht einfach verlegt haben.
Die vollständige Rekonstruktion der Tat hat dann ergeben, dass jemand mitten in der Nacht in mein Zimmer geschlichen sein muss, sich sorgfältig alles Geld aus dem Portmonnaie geschnappt haben muss und dann noch das Ladekabel des Laptops, jedoch das auf dem Serviertablett stehende Handy und den Laptop liegen lassen hat und wieder abgehauen ist.
Was es noch misteriöser macht ist, dass es hier im Kikuyuland anscheinend durchaus üblich ist, Einbrecher bei lebendigem Leibe zu verbrennen, sodass Einbrüche wenndann bei langer Leerstehung passieren und dann auch sehr effektiv und nicht eines Ladekabels und 5€ wegens...

Naja deshalb schließe ich ab jetzt nachts immer ab und hoffe, dass das ein Versehen eines Trunkenbolds war.

Hoioioi, das war mal wieder viel zu erzählen, war aber auch ne lange Zeit seit dem letzten Mal..
Du kannst ja vielleicht einen kleinen Deutschlandeintrag schreiben, wies dir so beim Aklimatisieren ergeht.

Alles Liebe,

Petombo.

 

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