Kenombia

Adiós Colombia!

Bevor es zurück ins kalte Deutschland geht, habe ich die letzten Wochen an der Pazifikküste nochmal das Leben in vollen Zügen genießen dürfen.

Mit Saul unterwegs im Dschungel

Der einsame Strand von El Valle

Das Küstendorf Nuquí

Der "Marktplatz" vom Fischerdörfchen Panguí

Vor Sonnenaufgang gings los nach Juanchaco

Im Ruderboot durch die Mangrovenwälder

Überall Pilotenmangel... Alles muss man selbst machen!

Adios Colombia, war schön mit dir!

Mooin Petombo!

Bist du schon los zum Kitesurfen? Coole Sache, kannste dann bald alles von deinen Netball-Profi Gehältern finanzieren ;-) Jaa ich gebe es zu, war ganz schön schreibfaul die letzte Zeit. Das hatte mehrere Gründe, und dafür wirds jetzt auch etwas länger. Durch den langen Streik hat sich die Uni entschlossen, das Semester einfach bis zum Sommer zu verlängern. Für mich natürlich blöd, also musste ich die restlichen Projekte alle auf einmal im Januar durchziehen. Aber gut, läuft ja eigentlich in der Klausurenphase in Deutschland nicht anders ;-) Also habe ich kurz vor Weihnachten angefangen und habe die ersten Januarwochen dann alles fertiggemacht. Wobei, nicht ganz, eine Veranstaltung, die sich als doch nicht so interessant herausgestellt hat und dessen Anrechnung in Deutschland auch nicht geklappt hätte, hab ich dann gaaanz schweren Herzens untern Tisch fallen lassen. Und zwischendrin über Weihnachten und Silvester war ich dann noch einige Zeit an der Atlantikküste und an Silvester in Bogotá (jaa da schreib ich demnächst nochn bisschen mehr zu. Aber du kennst das meiste ja auch schon).

Die Deadline war der 22. Januar, bis dahin hatte ich die Wohnung. In den Tagen davor habe ich dann alle Projekte den Professoren präsentiert und zwei Exams geschrieben, und am 23. Januar bin ich dann mit einem Tag Verspätung ausgezogen. Bei Yanniz hab ich mein Zeugs unterstellen können und am nächsten Tag gings dann endlich los in das Küstendorf Bahia Solano. Meine Idee war, mit ner Hängematte und kleiner Aurüstung einige Tage im Dschungel zu schlafen. Da Bahia Solano aber doch schon ein eher großes Dorf ist, bin ich später noch am selben Tag weiter nach El Valle. Dorthin fährt man von Bahia Solano aus nochmal 1h durch das Küsten-Dschungelhinterland. Für einen unglaublich günstigen Preis hat mich eine nette Dame mit ihrem Tuktuk dorthin gefahren und mir dabei gleich eine Menge guter Infos gegeben. Sie meinte zwar mir zu "verbieten", alleine an den abgelegenen Stränden zu schlafen, aber nach eingehender Recherche über gefährliche Tiere, Guerilla-Aktivitäten und Essensversorgung habe ich mich dann darüber hinweggesetzt. Zumal in der Nähe, ebenso abgelegen, auch das Hostel Mama Orbe ist. Also gings in den letzten Stunden vor Sonnenuntergang darum, schnell einen sicheren, entspannten und strandnahen Platz im Dschungel zu finden. Vor allem mussten zwei geeignete Bäume her, um die Hängematte aufzuhängen. Und schon nach kurzer Zeit fand ich einen geeigneten Platz. Während ich am Aufbauen war, fiel mir jedoch ein großer, brauner Knubbel an einem der zwei Bäume auf. Ein riesiger Termitenbau! Bei näherem Hinsehen war der dann auch bewohnt, sodass ich lieber weitersuchte.

Nach einer weiteren Stunde Strandlaufens fand ich dann endlich den passenden Spot. Da alles soo einsam und ruhig war, habe ich mich wie ein gestrandeter Schiffbrüchiger auf einer einsamen Karibikinsel gefühlt, mich aller Klamotten und negativen Gedanken befreit und von da an bis zum Sonnenuntergang die Umgebung erkundet. Dann ging es nochmal ins eine Stunde Strandspaziergang entfernte Dorf El Valle zurück, um dort noch von ein paar Einwohnern Informationen einzuholen und frischesten Fisch zum Abendbrot zu essen. Auf dem Rückweg fing es schon leicht zu regnen an, also beeilte ich mich, mein Lager regenfest zu machen. Und zuerst war ich auch sehr zufrieden, kurz bevor nämlich erste heftige Gewitter über den Strand fegten, hatte ich Hängematte und Rucksack sicher aufgebaut bzw. verstaut. Während um mich herum ein gewaltiger Sturm mit prasselndem Regen losbrach, lag ich glücklich und trocken in der Hängematte. Nachdem der Sturm sich irgendwann gelegt hatte, der Regen aber auch nach zwei Stunden immer noch kein bisschen weniger wurde, begannen die Regenplane und die zusätzlich angebundenen Palmenblätter langsam aber sicher durchzuweichen. Und nach einer weiteren Stunde lag ich schlotternd mit komplett durchnässter Kleidung in einer komplett durchnässten Hängematte. Immer mal wieder konnte ich für eine Stunde schlafen und dachte beim Aufwachen jedes Mal, dass die Nacht nun doch endlich bald mal vorbei sein müsste. Aber leider war es noch nichtmal Mitternacht und der Regen wollte einfach nicht aufhören. Irgendwann war die Nacht und der Regen dann aber doch endlich geschafft, und ich konnte einen wunderschönen Sonnenaufgang genießen. Der liess mich diese Nacht schnell vergessen, trotzdem bin ich am folgenden Tag dann aber ins Mama Orbe Hostel umgezogen. Dort waren neben mir noch zwei andere Gäste da und Saul, der in El Valle wohnt. Als wir abends am Strand saßen, meinte er wie aus dem nichts, dass wir jetzt eine schamanische Zeremonie machen, und zwar AHORA! Er holte eine Trommel und einige rassel-artige Instrumente hervor, wir sammelten Treibholz und nach kurzer Zeit saßen wir zu dritt rasselnd, trommelnd und singend um ein großes Lagerfeuer. Sauls Vorfahren kannten die Gesänge und den Ablauf der Zeremonie seit Generationen, und zusammen mit dem funkelnd klaren Sternenhimmel, dem stetig rauschenden Meer und dem knisternden Lagerfeuer war die Atmosphäre wirklich muuuy mágico.

Die nächsten Tage verbrachte ich meistens am Strand oder im angrenzenden Dschungel, wo mir Saul ein paar beeindruckende Orte zeigte, wie etwa einen kleinen Fluss, über dem hunderte Lianen herunterhängen. Und genau wie Maxi, der zwei Monate zuvor auch schon im Mama Orbe Hostel war, habe ich dann auch zusammen mit dem Hostelowner Pedro abends frisch geschlüpfte Schildkrötenbabies am Strand in die Natur entlassen. Maxi hatte es ja schon geschrieben, dass damit die Überlebenswahrscheinlichkeit von etwa 1% auf immerhin 10% erhöht wird. Hier arbeitet Mutter Natur sehr redundant, denn die Schildkrötenmamas, die übrigens nur zum Eierlegen an Land kommen und sonst ausschließlich im Meer leben, legen in einem Rutsch gleich mal 100-120 Eier auf einmal am Strand ab. Durch die Arbeit von Pedro und seinen Mitstreitern ist die überaus gefährdete Schildkrötenpopulation in der Region mittlerweile wieder deutlich angestiegen. Wilderer klauen trotzdem manchmal illegalerweise die Eier oder gleich die Babies, da ihnen besonders im asiatischen Raum beim Verzehr eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wird. Diese (falsche) Annahme stammt daher, dass der Liebesakt der Meeresschildkröten gerne mal mehrere Stunden dauern kann. Und einige Menschen glauben dann, es damit den Schildkröten so nachtun zu können.

Nach ein paar Tagen gings dann via Speedboat weiter nach Nuquí. Dort gefiel mir aber die Atmosphäre irgendwie nicht so sehr, und schöne Strände suchte man dort auch vergeblich. Für einen Vormittag hat mich ein Fischer dann in das nahegelegene Dörfchen Panguí geschifft. Dort im Dschungel lebt ein indigener Stamm und die anderen Einwohner waren auch sehr überrascht, einen Gringo den Strand entlangwatscheln zu sehen.

Eigentlich wollte ich von Nuquí aus weiter mit einem Versorgungsschiff einen Tag auf See bis nach Juanchaco fahren. Leider habe ich dieses Schiff gerade verpasst, und ich wollte nicht noch fast eine Woche im irgendwie trostlosen Nuquí bleiben. Daher musste ich in den sauren Apfel beißen und - für ein kleines Vermögen - mittels Speedboat in etwa vier Stunden die Strecke machen. Diese Schiffe fahren zweimal pro Woche, sodass ich am folgenden Tag direkt weiter konnte. Durch die horrenden Preise für die Speedboote wurde mein Bargeldvorrat zunehmend knapp, und an der gesamten nördlichen Pazifikküste gibt es nur einen (!) Geldautomaten in Bahia Solano. Zum Glück konnten mir Freunde aus Medellín über so eine Art Western Union aushelfen und ich war wieder im Geschäft.

In Juanchaco angekommen ging es dann dorthin, wo ich im Oktober mit Niklas schonmal war: Ins Casa Azul, ein Hostel auf einer Klippe am Pazifikstrand von Ladrilleros. Die beiden Betreiber Angél und Michelle dort erkannten mich gleich wieder und ich durfte mein Lager, bestehend aus Hängematte und Moskitonetz, an einem trockenen Ort aufschlagen. Als ich im Oktober während der Cali/Popayan/Pazifikreise dort war, gab es dort ein paar junge Hunde und das Schweinchen Azul, welches klein und knuffelig süß über das Gelände grunzte. Das war in der Zwischenzeit zu einer ziemlich dicken Sau herangewachsen, von dem süßen Ferkelchen war nicht mehr viel zu erkennen. Trotzdem war es immer noch ein lustiger Anblick, wie es mit der Steckdosennase schnüffelnd durch den Schlamm suhlte und immer mal wieder mit den zwei Hunden kämpfen musste.

Und dann kamen irgendwann die letzten Tage, und ich war zwar traurig, die Küste verlassen zu müssen, aber auch aufgeregt auf die letzten Tage in Medellín. Und jetzt sitze ich gerade am Flughafen in Bogotá, wo es in zwei Stunden zurück nach Deutschland geht! Die letzten Tage musste ich mich noch von den Freunden, die ich hier gefunden habe, Mateo, Yanniz, Isaac, Julián, Aleja, Carlos... verabschieden. Und ich hatte ziemlich Stress mit der Immobilien-"Firma", die aus fadenscheinigen Gründen Teile meiner Kaution unterschlagen haben. Da hat es mir immerhin geholfen, einmal laut im Gespräch mit denen auszurasten. Und da es alles kolumbianische Preise sind, ging es im Endeffekt auch nur um einen zweistelligen Betrag. Naja war trotzdem echt nervig, aber irgendwann wars mir dann auch egal mich damit rumzuärgern.

Sooo und nun bin ich wieder in Deutschland angekommen, wenn auch mit einem Tag Verspätung und einem unfreiwilligen Wellnesshotel-Aufenthalt in London, weil ich den Anschlussflug wegen Verspätung nicht mehr bekommen habe. Avianca konnte nur noch für den nächsten Morgen einen Ersatzflug finden, und so war ich am Samstag dann endlich wieder zuhause.

Rückblickend war es eine mega tolle Zeit in Kolumbien. Wahnsinn, wie schnell 6 Monate vergehen können, es fühlt sich an wie ein paar Wochen. Trotz allem kommt mir die erste Zeit in Kolumbien auch schon wieder seehr weit weg vor. Merkwürdiges Zeitgefühl hab ich... Jetzt geht es weiter mit Wohnung suchen (und finden, danke Anna!), sich wieder mit den deutschen Sitten und Tugenden anzufreunden und nicht mehr im Supermarkt beim Hereinkommen erstmal alle reflexartig mit einem lauten "Buenas días" zu begrüßen.

Alsoo jetzt warte ich nur noch auf dich, dass du auch wieder heile nach Deutschland zurückkommst und dann gehts wieder loooos!!!!

Bis dahin und auch an alle anderen die mitlesen, SCHÖNE GRÜSSE, nicht mehr aus Medellín, sondern aus Hannover!

Jan

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Bemerkungen :

  • user
    Peter 10/02/2020 um 11:22
    Und wieeeee doll hast du gefroren beim Aussteigen aus Hannover (oder London)? :P
  • user
    Peter 10/02/2020 um 11:21
    Und Maxi, wo ist Maxi?? Ich kann ihn seit geraaaaaumer Zeit nicht mehr erreichen :O
  • user
    Peter 10/02/2020 um 11:20
    Aloha,

    das geht mir ja richtig ans Herz diese Abschiedsreise mitzulesen und deine Reise mitzurekapitulieren... Aber wo bist du denn da ins Cockpit geschlichen? Oder wolltest du als du den Anschlussflug nicht bekommen hast auf eigene Faust nach Hause?

    Ich sitz grad auch am Warten, aber auf die Rückreise nach Embu..

    Bis dahin erstmal viel Erfolg beim Reanpassen!

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