Kenombia

Weihnachtszeit in Medellín

Zurück aus Bogotá erstrahlt Medellín in (etwas kitschiger) Weihnachtsbeleuchtung

Die Skyline von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá

Eine Demo und links der Justizpalast und das Regierungsviertel von Bogotá

Auch im kalten Bogotá gab es ne Sauna, die aber definitiv nicht an unsere Garten-Sauna rankommt

Die Smaragdmine im 23. Stock

Das Avianca-Building mit dem Smaragdmuseum oben drin

Ready for departure @ SKMD, Rwy 02

Über der Stadt, vorne das Centro, und links das Barrio Laureles

Weihnachtsdekoration am Fluss Río Medellín

Moin nach Kenia und Deutschland!

Nach einiger Zeit mal wieder etwas von mir aus den letzten Wochen in Bogotá und Medellín!

Schon über zwei Wochen ist es her, dass ich von einer kleinen Reise in die Hauptstadt Bogotá zurückgekehrt bin. Den ersten Tag musste ich ungeplant im Bus verbringen, neben der 10-stündigen regulären Reisezeit (für 300km Entfernung...) kam noch eine Rekordverspätung von 14h dazu. Ich habe noch nie so lange am Stück in einem Bus verbracht, irgendwann wars nicht mehr so toll. Umso größer war dann die Freude, endlich angekommen zu sein. Mein erster Eindruck von der 8-Millionen-Hauptstadt Bogotá war sehr stressig und schlecht, das sollte sich auf dieser Reise aber noch zum Guten wenden. Als ich nun Anfang Dezember dort war, gab es noch viele Demonstrationen, und die Ausschreitungen und Plünderungen eine Woche zuvor steckten den Leuten noch in den Knochen. Auch die Stationen des TransMilenio, dem öffentlichen Transportsystem, waren zu großen Teilen "entglast" worden, die Stadt sah in einigen Teilen noch sehr verwüstet aus.

Und Apropos öffentliches Transportsystem, Bogotá hat trotz seiner Größe keine Metro, es gibt nur ein völlig überlastetes Bussystem, der TransMilenio. Wie der Name schon sagt, kommt das System aus dem Jahr 2000 und da hat sich anscheinend auch nicht viel verbessert seitdem. Es gibt eigene Busfahrspuren durch die Stadt und spezielle abgegrenzte Stationen. Jemand hat mir erzählt, dass aktuell gerade neue Busse angeschafft werden. Aber anstatt Elektrobusse oder andere moderne Technik einzusetzen, kommen dieselige Euro-5/6 Busse neu auf die Strecken. Das kann eigentlich nur durch Korruption passieren, immerhin damit hat Bogotá viel Erfahrung. Außerdem ertrinkt die Stadt im Autoverkehr, für die 8km vom Flughafen zum Hostel braucht ein Taxi/Uber gut und gerne mal eine Stunde. Es ist aber Besserung in Sicht, überall werden neue Radwege gebaut und es gibt auch schon viele fertige Strecken, sodass ich mir einen Tag ein Fahrrad ausgeliehen habe, um die Stadt zu erkunden.

Im Regierungsviertel war gerade wieder eine Demonstration gegen Präsident Duque, und ich erinnerte mich daran, wie 1985 der gegenüberliegende Justizpalast von der M-19 Guerilla besetzt wurde. Dabei wurde das Gebäude damals so zerschossen, dass es anschließend neu gebaut werden musste. Heute blieb aber alles friedlich und ich machte mich auf zum Edificio Avianca, einem riesigen Wolkenkratzer im zentralen Stadtteil La Candelaria. Dort hatte mir jemand vom Hostel empfohlen, dass Smaragdmuseum zu besuchen. Gar nicht hauptsächlich wegen der Edelsteine, sondern weil das Museum in einem der oberen Stockwerke liegt und man eine tolle Sicht auf die ganze Stadt hat. Die Smaragde waren dann aber auch interessant, Kolumbien hat eine große Tradition im Smaragdabbau und ein Großteil der weltweit geförderten Smaragde kommen hierher. Unter schwierigen Bedingungen holen die Arbeiter, Guaqueros genannt, die rohen Steine aus dem Geröll, immer in der Hoffnung, irgendwann den großen Fund zu machen. Auch ich habe in der Smaragdmine im 23. Stock ein paarmal Steine aus der Wand gehauen (enttäuschenderweise aber nix gefunden).

Am Wochenende war ich mit Leuten aus der Universidad Nacional in Bogotá (quasi eine andere Zweigstelle meiner Uni) feiern in einem gewaltigen Gebäude, dem Theatron. Auf ca. vier Stockwerken und unzähligen Floors war für alle das richtige dabei und jeder war glücklich, bis um 5 Uhr der Zapfenstreich war. Am nächsten Tag war ich noch etwas müde und erschöpft, schlenderte ein wenig durch die Stadt, die ich in den Tagen ganz gut kennenlernen konnte, und am nächsten Tag ging es zurück nach Medellín.

Ich kehrte zurück in ein komplett mit grellbunten LED-Lichtern und seltsamen Plastikskulpturen verändertes Stadtbild. Leider hatten die Schmückenden einen anderen Sinn für Ästhetik als ich, überall blinkte es in grellen Farben sehr anstrengend vor sich hin. Zum Teil sind ganze 10-stöckige Häuser mit gigantischen LED-Lichterketten-Weihnachtsbaum-Konturen behangen. Außerdem ist es hier Tradition, dass die gesamte Vorweihnachtszeit Böller und Raketen gezündet werden. Ein paar Tage ganz lustig, irgendwann aber auch anstrengend. Soll anscheinend sogar illegal sein, was hier aber von eher geringer Bedeutung ist, wo regelmäßig etliche Leute abends zum Böllern rausgehen. Außerdem gibt es an den Wochenenden oft Treffen auf den Straßen, wo ganze Familien zu zwanzigst auf Gartenstühlen vor den Häusern auf den Bürgersteigen sitzen, grillen und quatschen. Und immer dabei sind viele kleine Kerzen, die hinterher zwar zu hunderten wie angekohlter Spargel aus dem Boden ragten, davor aber eine sehr schöne Atmosphäre erzeugt haben.

Tjaa und das konntet ihr euch bestimmt schon denken, Vorlesungen hatte ich in der ganzen Zeit keine, denn der Streik wurde bis Ende des Jahres verlängert. Trotzdem habe ich ein paar Projekte und Aufgaben zutun, um mir die Inhalte selber ohne Vorlesung reinzuschaufeln. Also genau wie in Deutschland ;-) Damit geht es ganz gut voran und ich schaffe den Semesterstoff wahrscheinlich noch fast komplett. Die Professoren erzählten mir zwar, dass sie viel mit Forschungsprojekten und anderen Dingen zutun hätten, danach sah es aber überhaupt nicht aus, die Cafeteria war quasi rund um die Uhr mit chillendem Uni-Personal besetzt.

Gestern bin ich mit einigen Uni-Projekten fertig geworden und habe heute mit dem Bekannten eines Fliegerkumpels aus Deutschland, der hier in Kolumbien ein Ultraleichtflugzeug besitzt, eine kurze Runde über Medellín gedreht. Nachdem wir insgesamt dreimal von der Policia kontrolliert wurden (an die wäre man ordentlich Geld losgeworden, wenn man was hätte schmuggeln wollen), konnte ich um 10:50 mit der einmotorigen MXP-800 von der Runway 02 des Medellíner Stadtflughafens Olaya Herrera abheben und abwechselnd mit Flugzeughalter Julio über die Stadt fliegen. Die Maschine hätte in Europa kaum eine Zulassung bekommen, aber ich habe zumindest einen Verdacht, wie das hier funktioniert haben könnte... Die Mängel waren nicht allzu sicherheitsrelevant, und so landeten wir nach einer halben Stunde wieder sicher und weich auf der Piste 02.

Tjaa und morgen gehts dann endlose 16h mit dem Bus in Richtung Karibikküste nach Santa Marta. Dort werde ich im kleinen Dörfchen Minca mit 6 anderen Menschen, unter anderem Josi aus meinem (mittlerweile endlich beendeten) Spanischkurs und einigen anderen Extranjeros, die Weihnachtstage verbringen. Anschließend geht es weiter die Küste entlang, dort gibt es ein paar tolle Dinge zu sehen und zu machen. Das wird dann ein erstes Weihnachten am Strand bei 30°C, ich freu mich mega drauf ;-)

Dir Peter und Anna, Maxi und Euch allen anderen, die hier mitlesen, habt entspannte Weihnachtstage und einen tollen Jahreswechsel!! Alle Gute wünscht euch euer

Jan

 

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Bemerkungen :

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    Hanne 03/01/2020 um 09:49
    Liebe Jan,

    Frank und ich wünschen Dir noch einen super guten Start in das Neue Jahr und hoffen, Du hattest einen grandiosen Jahreswechsel! Wir freuen uns schon sehr, wenn Du wieder da bist und heißen Dich dann auch in MS herzlich willkommen! Viele liebe Grüße und paß` weiterhin auf Dich auf!
  • user
    Gerd und Regina 22/12/2019 um 15:01
    Lieber Jan, Dir auch schöne Feiertage und alles Gute für das kommende Jahr. Vielen Dank für den sehr schönen Bericht und herzliche Grüße aus Albachten. Gerd und Regina

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