Kenombia

Cafébombas

Eine Reise in die Kaffee-Anbauregion Kolumbiens, und mal wieder Streik in Medellín!

Kaffeeplantage mit jungen (links) und ausgewachsenen Pflanzen (rechts)

Einige Schritte bei der Kaffeeherstellung: Gewinnung der Kaffeebohnen aus den roten Kaffeebeeren - Trocknen - Mahlen der Bohnen zu Kaffeepulver

Der König der Straße in Salento

Im Valle de Cocora, noch ist das Wetter schön...

...später dann nicht mehr, hier im triefendsten Regen ein paar Quindio-Wachspalmen

Filandia betrachtet von dem gigantischen Aussichtsturm

Der wahrscheinlich größte Aussichtspunkt Kolumbiens in Filandia

Die Kaffeeregion Eje Cafetero, von Filandia aus gesehen

Hola Peter! Bist du schon wieder in Embu? Und hast du das Schwimmen im Lake Victoria endgültig überlebt?

Ich habe wieder viiiel Zeit, die Universidad Nacional befindet sich - nach immerhin einer Woche mit regulären Vorlesungen - mal wieder im Streik. Es geht nach wie vor um die gleichen Themen (Budgetkürzungen der Uni, Mindestlohnabsenkung für unter 25-Jährige, Polizeigewalt).

Letzte Woche habe ich mich mit einem Kurs-Kollegen einmal mitten in einen Plantón, eine Art Demo-Blockade, getraut. Es wurde eine große Straße, eine der Hauptverkehrsadern, neben der Uni blockiert. Dazu wurden Baumstämme, Steine und viele Leute eingesetzt. Die Polizei hatte die Straße erstaunlich schnell weitläufig gesperrt, sodass nur ein paar Motorräder noch vergeblich versuchten, durch die Blockade zu gelangen.
Nach etwa einer Stunde kam die Bereitschaftspolizei ESMAD. Diese hat sich Ihren "Ruf" scheinbar schon in vorherigen Einsätzen erarbeitet, jedenfalls rannten alle schnellstens zurück auf das Unigelände. Dann kam eine Art kleiner Panzer, der die Baumstämme von der Straße räumte. Dabei wurde dieser mehrfach unter Applaus der Studierenden mit Molotovcocktails (Papabombas) beworfen. Das viele Feuer veranlasste die Polizei, nach einiger Zeit mit einem Wasserwerfer anzurücken, um neben einigen Papabombas auch die sie werfenden Studenten zu "löschen".
Davon ließen sich diese aber nicht so einfach vertreiben, zumal die strategische Position einfache Nachschublieferungen von Papabombas zuließ. Diese wurden bierkästenweise vom Uni-Campus nachgeliefert. Mehrmals musste der Wasserwerfer sich selbst löschen, bis die ESMAD-Leute irgendwann anfingen, Tränengas auf den Campus zu schießen. Da haben wir uns dann zusammen mit den meisten anderen in Sicherheit gebracht, überhaupt kam es mir von Anfang eher wie ein Spiel von einigen "erlebnisorientierten" Studenten mit der Polizei vor, die wirklichen Themen waren schon zu Beginn eher nebensächlich.

In diesen Tagen hatte ich auch etwas Ärger mit der Verlängerung meiner Aufenthaltserlaubnis, da die Behörden hier leider etwas inkompetent sind. Nachdem das geklärt werden konnte, machte ich mich Donnerstag Abend mit dem Nachtbus auf nach Armenia, eine der drei Hauptstädte des Eje Cafetero, der größten Kaffee-Anbauregion Kolumbiens und bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Sorten. Armenia selbst ist jedoch keine schöne Stadt, als der Bus dort im Morgengrauen ankam, entschloss ich mich dazu, gleich weiter in das Bergdorf Salento zu fahren. Auf dem Weg traf ich mich mit Niklas, der schon am Vortag angekommen war und mit dem ich die nächsten Tage zusammen die Region erkundete. Salento ist eine klassische Reiseführer-Destination, jedes zweite Haus ein Hostel, und man traf mehr Europäer als irgendwo sonst in Kolumbien. Warum war auch schnell klar, die Umgebung und die Wanderungen, die man von dort aus starten kann, sind wirklich wunderschön.

Nachdem wir uns für ein Hostel entschieden hatten, ging es auf eine Kaffeeplantage, um in die Geheimnisse des Kaffeeanbaus eingeweiht zu werden. Für alle die nicht genau wissen, wie die Kaffeeherstellung funktioniert: Zunächst werden rohe Kaffeebohnen ausgesät und nach ein paar Wochen können dann die besonders guten Pflänzchen ausgewählt und umgetopft werden. Sie müssen dann noch ca. 2 Jahre auf die volle Größe wachsen. Anschließend werden sie in die Kaffeefelder gesetzt und können bis zu zweimal jährlich geerntet werden. In den roten Kaffeebeeren stecken normalerweise zwei Kaffeebohnen (manchmal auch eine oder drei), welche entweder zur Anzucht neuer Kaffeepflanzen verwendet werden können, oder man verarbeitet sie weiter. Dazu werden die Bohnen aus ihrer Beere herausgequetscht, ein paar Tage in wenig Wasser fermentiert, getrocknet und anschließend geröstet. Aus Kolumbien werden zumeist unverschnittene Arabica-Sorten exportiert, das Land belegt Platz 3 der weltweit größten Kaffee-Exporteure und auch viele der großen deutschen Kaffeemarken beziehen ihre Bohnen aus dieser Region. Die Arbeitsbedingungen gelten - allerdings nach Aussage eines Plantagenbesitzers - als fair.

Am folgenden Tag machten wir eine Wanderung zum Valle de Cocora, eine eintägige Tour durch Berge und Täler des Los Nevados Nationalpark. Dort gibt es auch eine besondere Pflanzenwelt, so wachsen dort bis zu 60m hohe Palmen (die Quindio-Wachspalme) und natürlich viele Kaffeepflanzen. Nach ein paar Stunden, weit weg von allem, fing es wie so oft hier aus dem Nichts an, heftig zu regnen. Zum Glück hatte ich in böser Vorahnung im Dorf vorher Gummistiefel ausgeliehen, sodass es nicht ganz so unangenehm wurde. Es sollte auch bis zum Abend nicht mehr mit dem Regnen aufhören, sodass wir uns den Rest der Wanderung zwischen Sturzbächen und überschwemmten Wegen zurück ins Tal durchschlagen konnten.

Am letzten Tag war ich dann noch in Filandia, einem sehr hübschen Städtchen mit einem gewaltigen Aussichtspunkt, der einen Blick über die gesamte Region ermöglicht. Von Salento aus dort hinzukommen, war allerdings etwas ungewöhnlich: Der erste Busfahrer ließ uns direkt auf der Autobahn aussteigen, von dort musste ein weiterer Bus angehalten werden, dessen Route dann weiter Filandia führte. Abends musste ich, nach kurzer Zwischenstation in Pereira, zurück nach Medellín. Dort waren zumindest am nächsten Tag noch Uni-Veranstaltungen, ab Dienstag dann wieder - vorerst für weitere sieben Tage - Streik.

Morgen ist hier der ganz große Paro Nacional, d.h. im ganzen Land wird gestreikt. Einige befürchten Ausschreitungen wie in Chile und Ecuador, von Reisen nach Bogotá wird abgeraten. Ich hoffe mal, dass es nicht so schlimm wird. Heute mache ich noch Hamsterkäufe auf dem Plaza Minorista, einem riesigen Markt unter anderem für gebrauchte Klamotten.

Ich hoffe dir gehts gut und die Lake-Victoria-Parasiten haben dich in Ruhe gelassen ;) Ist schon ein Ende deines Streiks in Sicht?

Muchos saludos y un abrazo,
Jan

 

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