Kenombia

Cali, Popayán und der Pazifik

Eine Reise ins Paradies und Streik, Streik, Streik!

Popayán, die Ciudad Blanca

Das Hostel Caza Azul

Hauptstraße des Stranddörfchens Juanchaco

Aufm Boot die Pazifikküste langschippern

Haus am Playa Ladrilleros

Das Baden im Pazifik war sehr entspannend, manchmal gab es auch gute Wellen

Schweinchen Azul

Vorgelagerte Inseln südlich von Juanchaco

Da kommt keiner rein!

Naa du Profiläufer! Nach 21km noch nen schlechten DJ hören zu müssen, das klingt nach Höllenqualen... Sind dort noch mehr Europäer mitgelaufen?

Das mit den Riots und Streiks ist hier ganz genauso. An meiner Uni wurde vor zwei Wochen wieder der Streik ausgerufen, sodass ich eine (Protest-)Reise in die südwestliche Pazifikregion Kolumbiens machen konnte. Zuerst ging es 9h mit dem Nachtbus nach Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens. Die Stadt ist bekannt für ihre Salsa-Bars, wovon aber unter der Woche nicht so viel zu sehen war. Da sich meine Salsa-Skills aber sowieso in engen Grenzen halten, war das für mich kein großes Problem. Aber auch sonst wirkte die Stadt eher langweilig und lieblos. Nach einem kompletten Tag in Cali hätte ich kaum gewusst, was man an einem weiteren Tag noch hätte machen sollen.

Daher beschlossen wir, Niklas und ich, am nächsten Tag einen Tagesausflug in die Kleinstadt Popayán zu machen. Die Universitätsstadt ist für ihr Zentrum mit ausschließlich weißen Häusern bekannt (und heißt deswegen auch La ciudad blanca). Auch hier war die öffentliche Uni am protestieren und die Studenten, die ich dort traf, malten Transparente und riefen ebenfalls zum Streik auf. Am Abend ging es wieder zurück nach Cali, dort suchten wir vergeblich eine geöffnete Salsa-Bar und fielen anschließend müde ins Bett. Das Hostel war sehr günstig und entspannt, generell kann man hier schon für umgerechnet wenige Euro pro Nacht gute Hostels finden.

Und dann begann der schönste Teil der Reise. Am morgen ging es früh von Cali los in die Küstenstadt Buenaventura. Dort befindet sich der größte Seehafen Kolumbiens, ansonsten hat die Stadt nicht viel zu bieten und gilt zudem immer noch als sehr gefährlich. Einige Leute warnten sogar davor, den kurzen 800m-Weg vom Busterminal zum Hafen nicht zu Fuß zu gehen. Zudem war auf den Straßen von Cali nach Buenaventura durch die Anden oftmals Militär zu sehen, in der Region gab es früher oft Entführungen und Kämpfe der Guerilla. Mit größter Vorsicht gelangten wir durch die - wirklich nicht schöne - Stadt zum Hafen. Von dort aus ging die Fahrt 1h mit einem kleinen Böötchen (mit seinen zwei dicken Motoren fast als Speedboat zu bezeichnen) nordwestlich an der Pazifikküste in das Küstendörfchen Juanchaco. Wir fuhren vorbei an wunderschönen Landschaften, aber insbesondere im Hafengebiet von Buenaventura auch extrem vermüllten Stränden.

In Juanchaco angekommen, ging es 1h zu Fuß weiter Richtung Norden zum Hostel Casa Azul, im Örtchen Playa Ladrilleros. Generell gibt es in diesen Stranddörfern keinerlei befestigte Straßen, alles ist im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut. Im Hostel gab es einige Tiere, so lief dort ein süßes grunzendes Schweinchen, Hunde, Katzen und Hühner rum. Der Hahn hatte sich eines morgens vor mein Bett gesetzt und war nicht bereit, mich durchzulassen. Da machte ich kurzen Prozess und bescherte allen Hostelbewohnern ein reichhaltiges Abendessen.
Neee das war gelogen. Der Hahn war immer nett und nur um fünf Uhr morgens laut am Krähen. Viel aggressiver waren die zwei Hunde, die das arme Schweinchen regelmäßig quer über das Gelände bis herunter zum Strand jagten. Der eine Hund hatte sowieso unglaublich viel Energie. Als ich eines morgens ein paar km am Strand entlanglief, joggte der Hund den kompletten Weg ohne Pause mit und zeigte keinerlei Anzeichen von Erschöpfung. Ganz im Gegensatz zu mir, ich habe danach erstmal ausgiebig gefrühstückt und mich dann in die Hängematte an der Klippe zum Strand gechillt.

An einem anderen Tag habe ich eine Bootstour gemacht, und dabei zwei Wale, eine Mutter mit Walbaby (die Babysammlung wird immer größer!!), gesehen. Um die Wale nicht zu stören, hielten wir großen Abstand und verfolgten sie in sicherer Entfernung einige Minuten. Auch die Küstenlandschaften waren sehr beeindruckend, die Gegend um den nordöstlichen Meerbusen (langweiligerer Begriff dafür: Golf) und die westliche Pazifikküste bildet die Nationalparkregion Uramba Malaga Bay Natural National Park. Und trotz eines teilweise beachtlichen Wellengangs wurde niemand unterwegs seekrank.

Auch die Leute im Ort waren alle sehr nett, auch getroffen habe ich den deutschen Aussteiger Rick, der seit knapp zwei Jahren dort wohnt und von Gelegenheitsjobs in der Region lebt. So musste er eines Nachts auf die Baumaschinen der nahegelegenen Straßenbaustelle (die erste Straße in der Gegend, fast komplett von Hand gebaut) aufpassen und wir unterhielten uns lange über verschiedenste Themen bei strömenden Regen unter einer dürftigen Plane neben Bergen von Zement. Ein sehr interessantes Leben, er hat sich seine eigene Hütte an den Klippen über dem Strand gebaut und hat nicht vor, nach Europa zurückzukommen.

Nach einigen Tagen in diesem Paradies ging es dann - in der falschen Annahme, am darauffolgenden Montag wieder in die Uni zu gehen - in einer 14-stündigen Reise mit dem Nachtbus zurück nach Medellín. Dort angekommen erfuhr ich, dass die Studentenversammlung in der Zwischenzeit den Streik um zwei Tage, später dann auf unbestimmte Zeit, verlängert hat. Auch nach mittlerweile zwei Wochen läuft der Streik heiter weiter, und ich kann mich schon wieder nach einem neuen Reiseziel umschauen.
Die Entscheidungen über mögliche Streiks und Aktionen fällt wie erwähnt die Studentenversammlung (Asamblea Estudiantil), das ist eine ganz interessante Sache: Sehr unorganisiert - bestimmt 1500 Leute waren dort - wird dort über das Wohl und Wehe der Studierendenschaft debattiert. So wurde gefordert, ab nächster Woche auch die Verwaltungsgebäude der Universität zu blockieren. Die konkrete Umsetzung läuft dann so ab, wie auf dem Bild ;-)
Doch nicht immer ist der Protest friedlich, regelmäßig kommt es zu Ausschreitungen, in denen die Studenten mit Molotowcocktails (Papa-Bombas) auf den massiven Tränengaseinsatz der kolumbianischen Bereitschaftspolizei ESMAD reagieren. Auch mir kamen dabei, trotz größerer Entfernung, die Tränen - zum einen wegen der verschossenen Kartuschen, zum anderen aufgrund der generellen Gewaltbereitschaft insbesondere der Polizeikräfte.
Insgesamt bleibts also spannend, keiner weiss, wie lange der Streik noch fortgesetzt wird und was noch an Eskalation zu erwarten ist. Ich rechne aber damit, dass noch mindestens 1-2 Wochen keine Vorlesungen stattfinden werden. Aus genau diesem Grund wurde der letzte Semesterstart ja bereits verlegt, und auch jetzt scheints wieder deutlich länger zu gehen... Ist bei dir schon ein Ende abzusehen?

Und dann war ich am Wochenende auf dem Techno-Festival Magnus Rituales mitten im botanischen Garten in Medellín. Die DJs kamen zumeist aus Europa, dementsprechend teuer war das Event. Grund genug für einige, auf verschiedensten Wegen zu versuchen, die Tickets abzuziehen. So wollte es auch jemand bei mir probieren: Er gab sich als Festival-Mitarbeiter zu verstehen und lotste uns sehr weit vorne in die Schlange hinter Absperrgitter. Dann wollte er das Ticket haben. Nach einiger Zeit in Kolumbien merkt man relativ schnell, wenn jemand versucht, einen zu verarschen. Ein kurzer Blick zu den anderen Anstehenden zeigte, dass alle ihr Ticket in der Hand hielten. Also nur Hijueputa gerufen und die verkürzte Anstehzeit genossen. Hätte man ihm das Ticket gegeben, so wäre man 10m weiter bei der Einlasskontrolle ziemlich blöd dagestanden.
Leider ging der Betrug weiter, an den Bars und Ständen wurde oft versucht, beim Wechselgeld zu bescheißen. Einer von den Leuten, mit denen ich dort war, bekam etwa statt 34k nur 4k Pesos zurück, was aber glücklicherweise so dreist war, dass er es sofort bemerkte. Das ist bedingt durch die hohe Armut ein generelles Problem in Kolumbien, und auch bei Techno-Veranstaltungen ist das Publikum nicht so lieb und kümmernd wie anderswo in der Welt. Dafür war die Musik top und auch von der technischen Ausstattung her alles super gemacht.

 

Soo das wars erstmal, fackel keine Häuser ab, plünder keine Supermärkte und genieße deine freie Zeit ;-)

Jan

 

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