Kenombia

Uni-Start und Kleinkriminalität

Die erste Uni-Woche und ein versuchter Fahrraddiebstahl!

Vor dem gut bewachten Eingang der Universidad

Hola Uume!

Nach langem Warten hat letzte Woche die Uni in Medellín angefangen. Am Montag ging es los mit einem Begrüßungsevent für die Extranjeros. Der erste Redner war der Vizepräsident der Uni, der kurz über die Vorzüge unserer Universität, Professoren und Geschichte redete, die meiste Zeit aber - etwas übertriebene - Sicherheitsratschläge gab: Nie alleine nach Sonnenuntergang rausgehen, bestimmte Barrios gar nicht betreten, und das Wichtigste: Don´t give Papaya, was soviel heisst wie Lass dich nicht ausnutzen. Da ich Medellín ja schon etwas kannte und auch mit vielen anderen über das Thema gesprochen hatte, hat es mich nicht wirklich überrascht, ein paar der Auslands-Studenten waren danach aber etwas bleicher im Gesicht als vorher. Anschließend gab es noch eine Stadtrundfahrt. In einem Reisebus ging es durch den engen Rushhour-Verkehr Medellíns, außer den vollen Straßen haben wir eigentlich nicht viel gesehen. Die Uni-Leute, die das organisiert haben, waren alle etwas überfordert aber dafür super nett.

Der Großteil der anderen Studenten sind Leute aus Lateinamerika, dicht gefolgt von Deutschen und Mexikanern. Lustigerweise sind sogar zwei Internationale Beziehungen-Studenten aus Dresden dabei. Die vielen Deutschen sind natürlich eine große Gefahr für den Spanischlernfortschritt, daher habe ich mich eher an die Peruaner und Bolivier gehalten. Trotzdem habe ich abends zum Spieleabend in mein Apartment mit Leuten aus Deutschen und Kolumbianern eingeladen.

Die ersten Vorlesungen waren in Ordnung, und je nachdem versteht man den Professor mehr oder weniger gut. Auch wenn mir alle Profes hoch und heilig versichert haben, langsam und deutlich zu sprechen, hat insbesondere einer das schon nach wenigen Sätzen wieder komplett vergessen gehabt. Insgesamt habe ich drei Lehrveranstaltungen gewählt: Telecomunicaciones, Procesadores und Proyectos de Ingenería. Von den Proyectos wurde mir aber von den anderen Studenten so vehement abgeraten, dass ich den Kurs kurzerhand gegen Inteligencia Artificial eingetauscht habe.

Und zusätzlich mache ich - zusammen mit den anderen Dresdnern, was kompletter Zufall war - einen Spanischkurs an der Uni. Der Organisator wollte uns den "günstigen" Preis von über 250€ pro Mensch schmackhaft machen. Selbst die benachbarte private Sprachschule ist etwas günstiger. Nachdem ich das krisitisiert hatte und meinte, dass die Kurse in Dresden kostenlos seien und das immerhin mehr als ein halbes kolumbianisches Durchschnittseinkommen ist, wurde ich als geizig abgetan (das bin ich in diesem Fall auch ;). Die anderen fanden den Preis auch unverschämt, hatten aber nicht die Eier, das zu kritisieren. Da das aber die einzige Möglichkeit für einen Kurs an der Uni ist, musste ich in den sauren Apfel beißen. Allgemein sind die Preise für das gleiche Produkt - von kleinen Laden bis zum Straßendealer - bei ausländisch aussehenden Personen gerne mal um Faktor 3 höher.

Einigen Leuten sind aber - die extreme Ungleichheit in Kolumbien bedingt leider eine sehr große arme Bevölkerungsschicht - auch die normalen Preise zu teuer und versuchen dann, sich Dinge kostenlos zu beschaffen. So wie mein Fahrrad. Ich war im Stadion ein paar Runden laufen und hatte das Rad in der Nähe angeschlossen. Auf halbem Weg sah ich plötzlich einen blutüberströmten Typ vor einem Anderen davonlaufen. Ohne das weiter zu hinterfragen, lief ich ein paar km und machte mich komplett erschöpft langsam wieder in Richtung Fahrrad. Dort standen dann vier Sicherheitsleute, die das Gefährt eingehend begutachteten. Warum war schnell klar, dass Schloss war professionell durchgeschnitten. Kurz darauf kam dann auch ne Polizei auf dem Motorrad angedüst, die aber schnell wieder abzog als klar war, dass der Dieb flüchten konnte. Nach Aussage des Security-Manns hat ein Passant noch versucht, den Fahrraddieb festzuhalten und ihm die Nase verschönert (das waren also die zwei, die ich zu Beginn gesehen habe!). Die Sicherheitsleute wollten dann noch Fotos mit dem Fahrrad und mir, ich hab mich bei allen bedankt und dann war die Sache erledigt. Jetzt muss ich mir ein neues Schloss besorgen, und irgendwie hätt ich dem Dieb fast mein Fahrrad gegönnt, da sind zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Wochen die Bremsen runter, der Lenker wackelt und die Federung ist verklemmt. Naja dafür hat es auch weniger als 70€ gekostet... und zwar neu im Laden, hier waren nämlich partout keine gebrauchten Fahrräder zu finden...

Aber du würdest damit sicherlich noch die Strecke Dresden - Flecken-Zechlin schaffen ;)
Muchos saludos und lass dir nichts klauen,

Jan

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Bemerkungen :

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    Hanne 17/10/2019 um 12:20
    Lieber Jan, vielen Dank; nun bin ich auch dabei! Klasse Sache! Genieße die Zeit! Ich wünsche Dir viele schöne Erlebnisse, nette Leute und weiterhin toi, toi, toi! Liebe Grüße aus MS!
  • user
    opa hartmut 03/10/2019 um 20:16
    ich könnte das nicht verkraften,auch in deinem alter nicht,aber hanna meint,um dich brauchen wir uns keine sorgen zu machen,du würdest alles im griff haben und auf jede herausforderung eine antwort wisse!

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