Kenombia

El Festival de la Criminalidad

Ein Technofestival, wie man es in Deutschland (zum Glück) noch nicht erlebt hat!

Eine der Seilbahnstrecken Medellíns über das Armenviertel Santa Cruz/Popular

Der einzige Floor des Festivals

Hola Peetah-Bambo,

die Wanderung durch die Savanne klingt ja cool, gibts da keine Schlangen oder andere gefährliche Tiere außer den Leoparden? Hier gibts aufgrund der Höhe (Medellín liegt auf 1500m, die umliegenden Berge gehen bis auf 2500m) kaum giftige Tiere, außer Skorpionen und einigen seltenen Schlangenarten (in tieferen Regionen sieht das ganz anders aus, von Pfeilgiftfröschen über hochgiftige Lanzenottern gibts da einiges). Ärgerlich mit dem Nationalpark, willst du da nochmal irgendwann hin?

Ich war am Samstag auf dem eintägigen Immersion-Festival, es gab einen einzigen Floor mit DJs meist aus Europa. Das Festival war in Santa Helena, einem Bergdorf oberhalb Medellíns. Hingefahren bin ich mit der Seilbahn (in Medellín ist gibt es vier Seilbahn-Linien, die Teil des Metronetzes sind und die Barrios an den Hängen mit der Metro verbinden), dabei ging es über sehr arme Stadtviertel, die oft nur aus provisorischen Wellblechhütten bestanden. Steven, mit dem ich zu dem Festival fuhr, meinte dass er selbst als Kolumbianer dort nicht hingehen würde. Auch wenn wir in 10m darüber hinwegschwebten, sollte dies uns jedoch nicht davor schützen, der Kriminalität dieser Stadt noch ins Auge zu blicken.

Am Eingang gab es zwei Sicherheitskontrollen, gesucht wurde hauptsächlich nach Waffen, meine Getränke konnte ich problemlos mitnehmen. Als Ausländer mit blonden Haaren war man anscheinend ein interessanter Exot, mehrmals musste ich Leute abwimmeln. Die Musik war gut, jedoch kam kein wirkliches Gemeinschaftsgefühl auf, die Vibes waren komisch. Bestärkt wurde das, als wir die Preise für Getränke sahen: Die Flasche Vodka kostete umgerechnet 60€. Was für deutsche Verhältnisse schon teuer ist, ist in Kolumbien reiner Wucher. Alles kostete Geld, im Vordergrund stand das Geschäft und nicht der Spaß. Selbst ein Glas Wasser bekam ich trotz mehrfacher Bitte nicht, mein Geld war aufgrund der hohen Preise schon lange zuvor aufgebraucht.

Es gab jedoch ein paar Jungs, höchstens 20 Jahre alt, die meinem Kumpel anboten, ihm Bargeld zu geben, wenn er es ihnen überweist. Gesagt getan, Geld war überwiesen und einer der Jungs wollte das auf dem Smartphone von Steven kontrollieren. Dabei nahm er es ihm aus der Hand, es wanderte durch die Hände aller drei Jungs, und dann flupp, wie auf magische Weise, war es verschwunden. Nach ein paar Sekunden hatte er das gemerkt, doch da war es schon zu spät. Die Jungs alle ganz unschuldig freundlich, niemand wollte damit etwas zutun haben. Auch die Security war natürlich nur am Geschäft interessiert und wollte sich um so etwas nicht kümmern. Danach war die Stimmung natürlich schlecht, am nächsten morgen fuhr ich zurück. Über eine Stunde schlängelte sich der klapprige Bus das Tal hinunter zurück in die Stadt, dort schlief ich erstmal ein paar Stunden.

Für mich war das auf jeden Fall ein unfreiwilliger Einblick in die Armut und der daraus resultierenden Kriminalität und weiterhin eine - zumindest für mich - kostenfreie Lektion, niemals etwas in die Hände Unbekannter zu geben. Taschenspielertricks wie diese scheinen verbreitet zu sein, und Smartphones allgemein eine beliebte Beute. Es wird sich zeigen, ob dies die letzte Berührung mit der Kriminalität gewesen sein sollte, wirklich glauben tue ich daran aber ehrlich gesagt nicht...

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